Live-Alben Wann sind sie gut, was macht ein gutes Album aus?
#1
Geschrieben 08 September 2009 - 19:36
Was sollte man als Band unbedingt vermeiden, was darf man, was sollte man?
Ich möchte ungerne ein reines Name-Dropping haben, sondern schon Gründe, warum ein Album gut ist und warum nicht.
Was mir wichtig ist, ist eine gute Songauswahl, am besten eine Best-Of-Setlist, dann sollte man raushören, das die Musik live gespielt ist. Overdubs können manchmal nötig sein, aber irgendwie verliert ein Album viel Charme dadurch. Ganz wichtig ist, dass man das Publikum hören kann, sei es mitklatschen während der Songs, mitsingen/gröhlen, Applaus am Ende der Songs.
Eine übermäßige Nutzung von Overdubs macht das Live-Feeling meistens kaputt. Genauso finde ich es unmöglich, wenn zwischen den Songs Pausen sind und man raushört, dass dort ein Schnitt ist. Aufnahmen aus verschiedenen Konzerten sind leider manchmal nötig, aber ich finde irgendwie doof. Das einzige lustige daran ist das Ratespiel, welcher Song wo aufgenommen wurde.
In meiner kleinen Sammlung an LPs und CDs habe ich viele Live-Mitschnitte, ein paar sind richtig herausragend:
The Gathering - a noise severe:
Wer die Band mit Anneke live erleben durfte, der wird wird schnell merken, wie gut die Atmosphäre eines Konzertes dort eingefangen wurde. Man hört deutlich am Schlagzeug und an der Gitarre raus, dass die Musik live eingespielt wurde. Das äußerst laute südamerikanische Publikum feiert von Anfang bis Ende mit und ist so gut eingemischt, dass kein Song dadurch kaputt gemacht wird. Die Songauwahl ist perfekt, es ist wie ein Best-of der Bandgeschichte.
Iron Maiden - Rock in Rio:
Genauso wie das Album von The Gathering. Einziges Manko ist der Schwerpunkt auf das damalige neue Album. Aber es gibt schlimmeres, finde ich. Wer Maiden live gesehen hat, der fühlt bei dem Album mit, wie Bruce die Bühne entlang wezt, das Publikum in den Instrumentalpassagen anfeuert.
Stratovarious - Visions of Europe
Wie die vorher genannten Alben. Die Band hat alles richtig gemacht. Man hört das Publikum richtig gut, fühlt mit, wie Timo die Meute anfeuert, hat Mitsingpassagen, wie sie auf jeden Konzert von Stratovarious sind.
Schandmaul-Hexenkessel/Subwas to Sally-Schrei
Beide Alben sind auf ihre Art toll. Besonders Charmant finde ich, das man deutlich Verspieler hört, die nicht weggemischt wurden oder das mal der falsche Text gesungen wird. So darf ein Live-Album auch klingen.
Negativbeispiele gefällig?
Blind Guardian - Live:
Es kommt keine Live-Atmosphäre auf. Das Album klingt wie komplett im Studio eingespielt. oft habe ich das Gefühl, das Publikum wurde einfach nur zu Studioaufnahmen dazugemischt. Der Sound ist teilweise steril, ohne Leben. Wer die Band live erlebt hat, weiß, dass das nicht so ist.
Accept - All Areas live
Das Album ist ein reines Stückwerk. Von diversen Konzerten Mitschnitte, lieblos aneinandergeklatscht, zum Teil sogar mit Pausen zwischendurch. Schade, die band hat soviele Klassiker im Programm, aber das Album klingt für mich, als wollte man schnell ein paar Mark damit verdienen. Das man es auch anders kann, hat die Band mit Staying a life bewiesen, auch wenn man dem Album anmerkt, dass viele Overdubs benutzt wurden.
Wie sieht das bei euch aus, Was gefällt euch an welchen Alben, was nicht. Bitte kein reines Namedropping, schreibt ruhig was zu euren Lieblings-Livemitschnitten.
Avenger
#2
Geschrieben 08 September 2009 - 21:36
Live ist live, und zuhause ziehe ich Studioaufnahmen vor.
Einzige Ausnahme: "Fear of the Dark". Aber das ist auch Iron Maiden.
#3
Geschrieben 08 September 2009 - 23:49
The Black Half Of The Moon sagte am 08.09.09, 22:36:
Dieser Auffassung kann ich mich nur in den letzten Punkten anschließen. Zwischenrufe und Pfiffe sind allerdings nicht auf allen Livealben zu hören. So gibt es durchaus auch Sängerinnen, wie z.B. Kari Bremnes, Mari Boine und Tori Amos (die für mich ohnehin zu den besten Livekünstlerinnen gehören), bei denen das Publikum während der Songs in der Regel andächtig zuhört. Ansagen sind auch keineswegs auf allen Alben zu hören.
Ob der Sound schlecht ist, hängt sicherlich auch von den jeweiligen Bands/Künstlern ab. So hat das Album "Live" (bzw. "Reise", wie es in Deutschland betitelt ist) von Kari Bremnes einen exzellenten Sound, der genauso differenziert rüberkommt wie bei den Livekonzerten, was sicher auch an der Qualität ihres Tontechnikers liegt. Ähnliches gilt für das Livealbum "Eallin" von Mari Boine. Was ich bei diesen beiden Livealben daneben besonders schätze, ist der Umstand, daß sich die Liveversionen bei den meisten Stücken hörbar von den Studioversionen unterscheiden und mir dabei in der Regel deutlich besser gefallen als diese. Dasselbe gilt für mein Lieblingsalbum von Tori Amos, bei dem es sich um ein Live-Bootleg mit einer (überraschenderweise?) sehr guten Soundqualität handelt. Diese Frau ist, was ihre Improvisationsqualitäten angeht, ohnehin ein Klasse für sich. So hat sie etwa bei einem ihrer Songs Auszüge aus "Tubular Bells" und "Smalltown Boy" eingeflochten und der Song klingt so, als hätten diese Teile von Beginn an zu diesem Song gehört.
Aus dem soeben Gesagten ergibt sich zugleich, was für mich ein gutes - oder vielleicht sollte ich besser sagen: interessantes - Livealbum ausmacht, nämlich daß die Stücke sich von den Studiofassungen schon hörbar unterscheiden. Livealben, bei denen die Songs mehr oder weniger genauso klingen, wie auf den Studioalben (abgesehen vom Livesound), halte ich auch für überflüssig.
Zwei weitere Beispiele für nach meinem Empfinden gelungene Livealben sind das Album "Live" von Mother's Finest (die live ohnehin um Längen besser waren als auf ihren Studioalben - zumindest denjenigen, die mir bekannt sind) und "Toward The Within" von Dead Can Dance, wobei bei dem letztgenannten Album noch hinzukommt, daß dieses eine Reihe von Songs enthält, die nie auf einem Studioalbum veröffentlicht worden sind.
Was Metalbands angeht, fällt mir allerdings spontan kein Livealbum ein, welches ich jetzt für besonders hörenswert halte oder höher schätze als die Studioalben der betreffenden Bands. OK, The Gatherings "A Noise Severe" ist nicht schlecht, allerdings würde ich dann noch eher die "Sleepy Buildings" nennen, deren Versionen sich ja schon aufgrund der Arrangements deutlich von den Studiofassungen unterscheiden. Dann fällt mir noch die "Raw Evil"-EP von Forbidden ein, die ich gerade wegen des rauhen Sounds mag. Die Produktion des Studioalbums "Forbidden Evil" war mir da für diese Art von Musik fast ein bißchen zu glatt. Glücklicherweise sind mit "Forbidden Evil" und "Through Eyes Of Glass" auch die beiden besten Songs des Debütalbums auf der Live-EP vertreten.
#4
Geschrieben 09 September 2009 - 08:20
#5
Geschrieben 09 September 2009 - 14:53
#6
Geschrieben 09 September 2009 - 20:44
The Black Half Of The Moon sagte am 09.09.09, 09:20:
Jedem Tierchen sein Plaisirchen.
Daß im übrigen ein Livealbum den Besuch eines Livekonzertes nicht ersetzen kann, steht außer Frage.
Ein weiteres Album, welches ich in meinem vorangehenden Beitrag noch zu erwähnen vergaß, ist "Project Bluebook" von The Third And The Mortal. Das Album enthält zwar auch zwei zuvor unveröffentlichte Studiosongs (ist insoweit also kein reines Livealbum), aber die neben einer ebenfalls zuvor unveröffentlichten Liveimprovisation auf diesem Album zu hörenden vier Liveversionen früherer Songs unterscheiden sich teilweise schon extrem stark von den Studiofassungen, was angesichts der musikalischen Entwicklung der Band allerdings auch keine so große Überraschung ist. Besonders auffällig ist das bei "Autophomea/Improv", der im direkten Vergleich zur Studiofassung "Autopoéma" vom Debütalbum "Tears Laid In Earth" schon fast wie ein völlig anderer Song klingt, was nicht nur daran liegt, daß er von einer anderen Sängerin gesungen wird. Wenngleich die Studiofassung viel mehr Atmosphäre besaß, finde ich die Liveversion auf ihre Art und Weise nahezu ebenso reizvoll. (Natürlich gibt es da von manchen Fans auch ganz andere Ansichten.)
#7
Geschrieben 09 September 2009 - 23:55
The Black Half Of The Moon sagte am 08.09.09, 22:36:
Live ist live, und zuhause ziehe ich Studioaufnahmen vor.
So geht es mir auch.
Live-DVDs kann ich mir noch hin und wieder ansehen (vor allem als schöne Erinnerung wenn ich beim jeweiligen Konzert anwesend war), aber Live-CDs finden sich in meiner Sammlung nur sehr vereinzelt und verstauben im Regal^^
#8
Geschrieben 12 September 2009 - 19:22
#9
Geschrieben 12 September 2009 - 20:25
#10
Geschrieben 03 März 2010 - 14:29
Positivbeispiele:
Queen - Live Killers. Trotz zig Overdubs (man ist ja Perfektionist) zeigt es Power und Vielseitigkeit der Band
Nightwish - end of an Era: Allein schon die zusätzlichen rund 30 Minuten;-)
Negativbeispiele:
Queen - Live Magic. 45 Minuten Konzertmitschnitt von rund 90-100 Minuten Konzert, das kann gar nicht stimmig klingen, da fehlt jede Dramaturgie in der Setlist. Die vollständige Version Live in Wembley ist um Längen besser
Nightwish - Made in Hongkong: Schön, die "neuen" Songs mal live zu hören, v.a. meinen Favoriten 7 Days to the Wolves habe ich nie live gehört, aber die lieblose Aneinanderreihung der Songs ist schon arm.
Klasse finde ich viele Bootlegs von Livekonzerten

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